IHI Corporation und GE Vernova haben eine neue Testanlage fertiggestellt. Ziel ist eine Gasturbine, die bis 2030 vollständig mit Ammoniak betrieben werden kann. Die Anlage steht in Aioi, Japan.
Die neue Large-scale Combustion Test Facility (LCT) ist darauf ausgelegt, Verbrennungssysteme unter den realen Betriebsbedingungen einer F-Klasse-Gasturbine von GE Vernova zu testen, inklusive der notwendigen Drücke, Temperaturen sowie Luft- und Kraftstoffmengen.
Ab Sommer 2025 sollen dort umfangreiche Verbrennungstests mit vollskaligen Prototypen-Brennkammern stattfinden, die zu 100 Prozent mit Ammoniak betrieben werden.
IHI und GE Vernova hatten 2024 ein Joint Development Agreement unterzeichnet. Ziel ist die Entwicklung eines neuen Brennersystems für GE Vernovas F-Klasse-Gasturbinen, das den vollständigen Betrieb mit Ammoniak ermöglicht. IHI bringt dabei seine Expertise in der Ammoniakverbrennung ein, das Unternehmen hat bereits eine 2-MW-Gasturbine entwickelt, die vollständig mit Ammoniak betrieben werden kann. GE Vernova steuert globale Ingenieursressourcen und Erfahrungen aus seiner eigenen Testanlage in Greenville, South Carolina bei.
Ammoniak enthält keinen Kohlenstoff. Bei seiner Verbrennung entsteht kein CO₂. Das macht es zu einem potenziell interessanten Energieträger für die Dekarbonisierung der Stromerzeugung, insbesondere dort, wo große Mengen gespeicherter oder transportierbarer Energie benötigt werden.
Ammoniak wird heute bereits in großem Maßstab industriell produziert und genutzt, vor allem als Düngemittel und chemischer Rohstoff. Als Energieträger ermöglicht es außerdem den Transport von grünem Wasserstoff über lange Strecken, Ammoniak lässt sich leichter verflüssigen und lagern als Wasserstoff selbst.
Gleichzeitig sind die Herausforderungen erheblich. Ammoniak ist giftig, verbrennt langsam und erfordert besondere Sicherheitsvorkehrungen. Die Entwicklung stabiler und effizienter Verbrennungssysteme im Großmaßstab ist technisch anspruchsvoll, genau das ist Gegenstand der nun gestarteten Testreihe.
Das Projekt steht exemplarisch für eine breitere Entwicklung: Große Energietechnikunternehmen investieren zunehmend in alternative Kraftstoffe für die Stromerzeugung. Ammoniak wird dabei als eine von mehreren Optionen gehandelt, um bestehende Gaskraftwerke schrittweise zu defossilisieren, ohne sie vollständig ersetzen zu müssen.
Ob sich Ammoniak als Kraftstoff für Gasturbinen im großen Maßstab durchsetzen wird, hängt von mehreren Faktoren ab: der Verfügbarkeit von grünem Ammoniak, den Kosten, der Sicherheitsinfrastruktur und letztlich den regulatorischen Rahmenbedingungen.
Ammoniak gehört zur Familie der erneuerbaren Moleküle, die fossile Energieträger in Bereichen ersetzen können, wo direkte Elektrifizierung schwierig ist.
Die Kooperation zwischen IHI und GE Vernova zeigt, dass die Industrie alternative Kraftstoffe nicht mehr nur theoretisch diskutiert, sondern konkret in Infrastruktur und Testkapazitäten investiert. Das ist ein relevantes Signal, auch wenn die kommerzielle Reife noch entfernt ist.
(Quelle: Pressemitteilung GE Vernova)
Bild von Michael Schwarzenberger auf Pixabay
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