DHL und IAG Cargo: 240 Millionen Liter SAF für die Luftfracht

Luftfracht verursacht im kommerziellen Güterverkehr den höchsten CO₂-Ausstoß pro Tonnenkilometer aller Transportmittel. Laut GLEC Framework (Global Logistics Emissions Council), dem international anerkannten Berechnungsstandard für Transportemissionen, liegen die Emissionen zwischen 500 und 700 Gramm CO₂-Äquivalent pro Tonnenkilometer, deutlich mehr als Straße, Schiene oder Seefracht. Genau dort setzt eine SAF-Vereinbarung an, die DHL Group und IAG Cargo Mitte April 2026 bekanntgegeben haben.

Fünfjahresvertrag mit 240 Millionen Litern SAF

Der neue Fünfjahresvertrag, der bis 2030 läuft, sichert die Abnahme von rund 240 Millionen Litern Sustainable Aviation Fuel am Flughafen London Heathrow. Geflogen wird auf British-Airways-Maschinen, auf denen DHL Express seine Expressfracht transportiert. Zusammen mit einer bereits 2025 abgeschlossenen Verlängerung erhält DHL Express jährlich Scope-3-Emissionsreduktionen aus rund 40 Millionen Litern Rein-SAF. Scope 3 bezeichnet dabei indirekte Treibhausgasemissionen, die nicht im eigenen Betrieb entstehen, sondern entlang der Lieferkette, in diesem Fall durch den Treibstoffverbrauch der Fluggesellschaft. Die kumulierte Lebenszyklus-Treibhausgasreduktion beider Verträge beläuft sich laut DHL auf 640.000 Tonnen CO₂-Äquivalente, was nach Unternehmensangaben nahezu dem gesamten Kraftstoffbedarf entspricht, der aktuell auf DHL-Sendungen im IAG-Cargo-Netzwerk entfällt.

HEFA-Kraftstoff aus gebrauchtem Speiseöl

Der verwendete SAF stammt aus gebrauchtem Speiseöl und ist durch die International Sustainability & Carbon Certification (ISCC) zertifiziert. Laut DHL erzielt er gegenüber fossilem Kerosin eine Lebenszyklus-Emissionsreduktion von rund 90 Prozent. Die Lebenszyklus-Betrachtung erfasst dabei alle Emissionen eines Kraftstoffs, von der Rohstoffgewinnung über die Produktion bis zur Verbrennung im Triebwerk. Damit fällt er in die Kategorie der biogenen HEFA-Kraftstoffe (Hydroprocessed Esters and Fatty Acids), die derzeit mit einem globalen Produktionsanteil von über 90 Prozent die bei weitem dominante SAF-Variante sind.

IAG Cargo: Frachtsparte von fünf Airlines

IAG Cargo ist die Frachtsparte der International Airlines Group, zu der neben British Airways auch Iberia, Aer Lingus, Vueling und LEVEL gehören. Das Unternehmen nutzt primär die Frachtkapazitäten im Unterdeck der Passagierflugzeuge aller fünf Airlines, den sogenannten Belly-Frachtraum, und bedient damit über 350 Destinationen in mehr als 80 Ländern. Drei Hubs in London Heathrow, Dublin und Madrid bilden das operative Rückgrat. Heathrow ist dabei der wichtigste Knotenpunkt, über den ein Großteil der transatlantischen und europäischen DHL-Sendungen läuft. Die Partnerschaft zwischen DHL und IAG Cargo hat eine längereGeschichte: Eine Vereinbarung aus Oktober 2024 umfasste noch 60 Millionen Liter SAF für anderthalb Jahre. Der neue Vertrag übersteigt dieses Volumen deutlich.

Rahmenabkommen soll Millionen-Tonnen-Marke erreichen

Ergänzt wird die aktuelle Vereinbarung durch ein Rahmenabkommen zwischen DHL Global Forwarding und IAG Cargo. Es zielt darauf ab, die SAF-Nachfrage verschiedener DHL-Sparten zu bündeln und den Zugang zum Kraftstoff langfristig abzusichern. Inklusive dieses Rahmens könnten die gesamten Lebenszyklus-Emissionsreduktionen innerhalb der DHL-Gruppe laut Unternehmen die Marke von einer Million Tonnen CO₂-Äquivalenten überschreiten.

Verbindliche Verträge als Schlüssel für den SAF-Hochlauf

Der Vertrag steht auch für eine breitere Entwicklung im SAF-Markt. Langfristige, verbindliche Abnahmevereinbarungen gelten als entscheidende Voraussetzung, um Investitionen in neue Produktionskapazitäten finanzierbar zu machen. Viele bislang angekündigte SAF-Abkommen sind nach Einschätzung von Marktanalysten unverbindlich und enthalten Wirtschaftlichkeitsklauseln, die den Käufer im Zweifel aus der Pflicht entlassen. Das schwächt das Vertrauen potenzieller Produzenten und Investoren. Verbindliche Großverträge wie der vorliegende sind deshalb strukturell bedeutsam, weit über ihre reine Volumenaussage hinaus.

SAF kostet derzeit noch bis zu sechsmal so viel wie konventionelles Kerosin. Die EU-Verordnung ReFuelEU Aviation, die seit 2025 verbindliche Beimischungsquoten für nachhaltige Flugkraftstoffe an europäischen Flughäfen vorschreibt, beginnt bei 2 Prozent und steigt bis 2050 auf 70 Prozent. DHL hat sich das Ziel gesetzt, den SAF-Anteil im eigenen Lufttransport bis 2030 auf 30 Prozent zu steigern.

Bildquelle: Canva

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