Kenya Airways plant erste dedizierte SAF-Raffinerie Subsahara-Afrikas

Am Rande des Africa Forward Summits in Nairobi haben Kenya Airways und Rubis Energy Kenya ein Memorandum of Understanding (MOU) unterzeichnet: Gemeinsam wollen sie die erste ausschließlich für nachhaltigen Flugkraftstoff konzipierte Raffinerie in Subsahara-Afrika entwickeln. Im Beisein von Kenias Präsident William Ruto und dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron formalisiert, ist das Projekt mehr als eine Industrieankündigung, es ist ein Zeichen dafür, dass die Defossilisierung der Luftfahrt zunehmend auch in Regionen Fahrt aufnimmt, die bislang als SAF-Nachzügler galten.

Was geplant ist und was bereits feststeht

Die geplante Anlage soll in der Nähe des Jomo Kenyatta International Airport in Nairobi entstehen und eine Jahreskapazität von rund 32.000 Tonnen SAF erreichen. Das Investitionsvolumen wird auf 60 bis 70 Millionen Euro beziffert. Als Technologielieferant ist das Unternehmen Dragonfly vorgesehen, das auf modulare Raffinerietechnologie spezialisiert ist. Als Rohstoffe sollen gebrauchte Speiseöle, tierische Fette und andere Pflanzenöle eingesetzt werden, allesamt Abfallstoffe, die lokal in Kenia verfügbar sind.

Zur Einordnung: Unterzeichnet wurde eine Absichtserklärung. Baubeginn und finale Finanzierungsstruktur sind noch nicht bestätigt. Die Inbetriebnahme wird in etwa 24 Monaten angestrebt, sofern Engineering, Genehmigungen und Finanzierung nach Plan laufen.

Der Bedarf ist real – und enorm

Kenya Airways gibt an, täglich 2,9 Millionen Liter Kerosin am Jomo Kenyatta International Airport zu verbrauchen, der Gesamtverbrauch des Flughafens liegt laut weiteren Angaben bei rund 9 Millionen Litern täglich. Eine lokale SAF-Produktion würde nicht nur Importe ersetzen, sondern auch Versorgungssicherheit schaffen, die bislang vollständig von internationalen Lieferketten abhängt. Rubis bringt dabei sein bestehendes Distributionsnetz ein, um eine langfristige, tägliche SAF-Versorgung von Kenya Airways am Flughafen sicherzustellen.

Ein Kontinent in Bewegung

Der Anspruch, Subsahara-Afrikas erste dedizierte SAF-Raffinerie zu werden, verdient eine kurze geografische Einordnung. In Nordafrika ist bereits ein deutlich größeres Projekt in Entwicklung: In Alexandria plant die Egyptian Sustainable Aviation Fuel Company (ESAF) eine Anlage mit rund 120.000 Tonnen Jahreskapazität, fast viermal so viel wie das Kenia-Projekt. Was Kenya Airways und Rubis Energy anstreben, ist damit präziser formuliert: die erste ausschließlich für SAF konzipierte Anlage südlich der Sahara.

Das mindert die Bedeutung des Projekts in keiner Weise, im Gegenteil. Dass sowohl Nordafrika als auch Ostafrika zunehmend eigenständige SAF-Kapazitäten aufbauen wollen, zeigt, dass der Kontinent insgesamt in Bewegung geraten ist. Während Europa und Nordamerika den globalen SAF-Markt lange dominierten, entstehen nun parallele Entwicklungsstränge auf afrikanischem Boden, mit einem gemeinsamen Antrieb: weniger Importabhängigkeit, mehr lokale Wertschöpfung.

SAF als strategische Notwendigkeit

Der regulatorische Kontext verleiht dem Projekt zusätzliches Gewicht. Die EU-Verordnung ReFuelEU Aviation verpflichtet Fluggesellschaften, die europäische Flughäfen anfliegen, ab 2025 SAF-Mindestanteile nachzuweisen, mit steigenden Quoten bis 2050. Für Kenya Airways, die regelmäßig europäische Ziele anfliegt, ist eine lokale SAF-Versorgungsbasis daher nicht nur eine Frage des Klimaengagements, sondern zunehmend eine Marktzugangsvoraussetzung. Das Projekt ist zudem auf das Internationalen Zivilluftfahrtorganisation(ICAO)-Ziel klimaneutraler Luftfahrt bis 2050 ausgerichtet.

Ein Projekt, das über Kenia hinausweist

Rubis Énergie hat angekündigt, Technologietransfer und Ausbildung für lokale Fachkräfte zu priorisieren, damit Anlage und Lieferketten von Kenianern betrieben und verwaltet werden können. Das ist ein Aspekt, der in der internationalen Berichterstattung häufig unterbelichtet bleibt: Das Projekt ist kein reiner Infrastrukturexport aus Europa, sondern explizit als lokale Wertschöpfung konzipiert.

Wenn das MOU in konkrete Bauentscheidungen mündet, könnte Kenia zu einem weiteren Referenzprojekt für die afrikanische Luftfahrt werden und gemeinsam mit dem Ägypten-Projekt zeigen, dass nachhaltige Flugkraftstoffe längst kein exklusives Thema des globalen Nordens mehr sind.

Das Wichtigste in kurz

Was ist das Projekt? Eine geplante Raffinerie zur Produktion von nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) nahe dem Jomo Kenyatta International Airport in Nairobi, entwickelt von Kenya Airways und Rubis Energy Kenya.

Wer steckt dahinter? Kenya Airways, die nationale Fluggesellschaft Kenias, und Rubis Energy Kenya, Teil der französischen Rubis-Gruppe mit bestehendem Kraftstoffdistributionsnetz in Kenia.

Wie groß ist die Anlage? Geplante Kapazität: rund 32.000 Tonnen SAF pro Jahr.

Wie hoch sind die Investitionen? 60 bis 70 Millionen Euro (ca. 82 Millionen US-Dollar).

Wann soll die Produktion starten? Die Inbetriebnahme wird in etwa 24 Monaten angestrebt – vorbehaltlich Genehmigungen, Finanzierung und Projektfortschritt.

Welche Technologie wird genutzt? Die modulare Raffinerietechnologie von Dragonfly, die eine standortnahe Produktion direkt am Flughafen ermöglicht.

Welche Rohstoffe werden eingesetzt? Gebrauchte Speiseöle (Used Cooking Oil, UCO), tierische Fette und andere biogene Reststoffe – lokal in Kenia verfügbar.

In welcher Phase ist das Projekt? Frühe Planungsphase. Unterzeichnet wurde bislang ein Memorandum of Understanding (MOU) als Rahmen für gemeinsames Engineering, Finanzierung und Betrieb. Baubeschluss und finale Finanzierungsstruktur stehen noch aus.

Was sind die größten Risiken? Sicherung der Finanzierung, stabile Rohstoffversorgung, Abschluss langfristiger Abnahmeverträge mit Fluggesellschaften sowie die allgemeine Marktunsicherheit bei SAF-Preisen.

Welche Rolle spielt das Projekt strategisch? Es soll Kenias Abhängigkeit von importiertem Kerosin reduzieren, eine lokale SAF-Wertschöpfungskette aufbauen und Kenya Airways bei der Erfüllung wachsender europäischer SAF-Quotenpflichten unterstützen. Langfristig könnte das Projekt als Blaupause für weitere SAF-Initiativen in Subsahara-Afrika dienen.

Bildquelle: Pixabay / JFK_Photography

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