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MotoGP™ setzt auf nicht-fossile Kraftstoffe
SEPANG, MALAYSIA - OCTOBER 23, 2022: Francesco Bagnaia of Italy and Ducati Lenovo Team rides during the Malaysia Motorcycle Grand Prix (MotoGP) at Sepang International Circuit (SIC).

Die MotoGP™ steht vor einer strukturellen Veränderung. Ab 2027 wird die gesamte Motorrad-Weltmeisterschaft ausschließlich mit Kraftstoffen betrieben, die keinen fossilen Ursprung mehr haben. Schon seit der Saison 2024 gilt ein verbindlicher Anteil von mindestens 40 Prozent nicht-fossiler Bestandteile in allen Klassen. Dieser Übergang ist Teil einer langfristig angelegten Nachhaltigkeitsstrategie, die technische Innovation mit messbarem Klimanutzen verbinden soll.

Schrittweise Umstellung der MotoGP™ mit klaren Zielen

Der Fahrplan ist verbindlich. 2024: mindestens 40 Prozent. 2027: hundert Prozent. Die neuen Kraftstoffe werden so entwickelt, dass sie in bestehenden Hochleistungsmotoren einsetzbar sind. Die Anforderungen an Leistung, thermische Stabilität und Lagerfähigkeit bleiben dabei unverändert. Ziel ist es, sogenannte Drop-in-Fuels zu verwenden, also Kraftstoffe, die vollständig kompatibel mit heutigen Renntriebwerken sind. Die Hersteller profitieren davon, dass sie ohne aufwendige Anpassungen an Motorhardware oder Elektronik arbeiten können. Damit wird der Fokus auf den Kraftstoff selbst gelenkt.

Definition und Kontrolle nicht-fossiler Kraftstoffe

Als nicht-fossil gelten ausschließlich Kraftstoffe, deren Kohlenstoffanteil nicht aus fossilen Quellen stammt. Das umfasst synthetische Kraftstoffe, die mithilfe von erneuerbarem Strom und CO₂ aus der Luft hergestellt werden, sowie fortschrittliche Biokraftstoffe auf Basis von organischen Abfall- und Reststoffen. Um sicherzustellen, dass die Vorschriften eingehalten werden, erfolgt eine Isotopenanalyse des enthaltenen Kohlenstoffs. Der sogenannte C14-Test ermöglicht eine eindeutige Unterscheidung zwischen fossilem und biogenem beziehungsweise synthetischem Ursprung. Dieser Nachweis wird zur verpflichtenden Grundlage der Kraftstofffreigabe in der MotoGP™.

Beteiligte Partner und technologische Entwicklung

An der Entwicklung der neuen Kraftstoffe sind sämtliche Kraftstofflieferanten der MotoGP™ beteiligt. Dazu gehören Unternehmen wie Repsol, Petronas, TotalEnergies und ETS Racing Fuels. Jeder Hersteller kann seine eigene Rezeptur entwickeln, sofern sie den verbindlichen Nachhaltigkeitskriterien entspricht. Dies schafft Wettbewerb und gleichzeitig Raum für technische Diversität. Die MotoGP™ fungiert dabei nicht nur als Nutzerin, sondern als aktives Testfeld. Was hier unter Extrembedingungen funktioniert, gilt als praxistauglich.

Relevanz für die Renntechnik

Die Motoren in der MotoGP™ zählen zu den leistungsstärksten Aggregaten im Motorsport. Sie erreichen über 18.000 Umdrehungen pro Minute, müssen konstant hohe Temperaturen bewältigen und arbeiten unter maximalem Lastwechsel. Die Einführung nicht-fossiler Kraftstoffe in diesem Umfeld ist deshalb ein technologischer Meilenstein. Die Erfahrungen fließen direkt in die Weiterentwicklung von Kraftstoffen für den Rennsport und perspektivisch auch für andere Anwendungen ein. Die Belastbarkeit der eingesetzten Komponenten, das Verhalten bei Volllast sowie die Reaktion auf wechselnde Umweltbedingungen werden in Echtzeit erprobt und dokumentiert.

Fazit: Ein Schritt mit Signalwirkung

Die Entscheidung der MotoGP™, sich vollständig von fossilen Kraftstoffen zu verabschieden, ist nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz. Sie ist ein Signal an die gesamte Motorsportwelt, dass technologische Transformation ohne Leistungseinbußen möglich ist. Gleichzeitig zeigt sie, dass der Verbrennungsmotor nicht zwingend ein Auslaufmodell sein muss, solange der verwendete Kraftstoff eine klimafreundliche Herkunft hat. Der Wechsel auf nicht-fossile Kraftstoffe ist keine Symbolpolitik, sondern ein real umsetzbares Konzept mit konkretem Zeitrahmen und nachvollziehbaren Prüfkriterien.


Exkurs: Infos zur MotoGP™

Was ist die MotoGP™?
Die MotoGP™ ist die höchste Klasse der Motorrad-Straßenrennsport-Weltmeisterschaft und wird von der Fédération Internationale de Motocyclisme (FIM) offiziell als FIM Road Racing World Championship Grand Prix bezeichnet. Sie gilt weltweit als das Pendant zur Formel 1 im Automobilsport, mit dem Unterschied, dass hier auf zwei Rädern gefahren wird.

MotoGP™ ist die Top-Kategorie innerhalb einer Rennserie, die drei Klassen umfasst:
• MotoGP™ (Königsklasse, seit 2002 in dieser Form)
• Moto2™ (Mittlere Kategorie)
• Moto3™ (Einsteigerklasse)

Die gesamte Serie wird zentral organisiert und vermarktet von Dorna Sports, einem spanischen Unternehmen mit Sitz in Madrid, das seit 1992 die kommerziellen Rechte an der Weltmeisterschaft hält.

Seit wann gibt es die MotoGP™?
Die Ursprünge der Weltmeisterschaft reichen zurück bis ins Jahr 1949. Sie ist damit die älteste durchgehend ausgetragene Motorsport-Weltmeisterschaft der Welt.
Die heutige MotoGP™-Klasse entstand im Jahr 2002 als Nachfolger der ehemaligen 500 ccm-Kategorie. Der Name „MotoGP“ wurde eingeführt, als Viertaktmotoren mit größerem Hubraum (990 ccm) erlaubt wurden. Diese Regeländerung leitete eine neue Ära ein und machte die MotoGP zur technisch fortschrittlichsten Motorradrennklasse.

Wo findet die MotoGP™ statt?
Die Weltmeisterschaft besteht aus einer jährlich wechselnden Serie von internationalen Grand Prix-Rennen auf festen Rennstrecken in aller Welt.
Typische Austragungsländer sind:
• Europa: Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Österreich, Portugal, Niederlande
• Asien: Japan, Thailand, Indonesien, Katar
• Amerika: USA, Argentinien
• Australien

In der Saison 2024 umfasste der Rennkalender 21 Rennen, darunter Traditionsstrecken wie Mugello (Italien), Assen (Niederlande), Silverstone (Großbritannien) und der Sachsenring (Deutschland).

Wer nimmt teil?
In der MotoGP™-Klasse treten sowohl Werksteams als auch Privatteams an, jeweils mit offiziellen Herstellermaschinen oder Kundenmotorrädern. Zu den aktiven Herstellern (2025) gehören:
• Ducati
• Yamaha
• KTM
• Aprilia
• Honda
• GasGas (technisch mit KTM verwandt)

Die Fahrerzahl in der MotoGP™ liegt pro Saison bei rund 22 bis 24 Fahrern, verteilt auf etwa 11 bis 12 Teams. Darunter sind sowohl erfahrene Weltmeister als auch junge Talente, die sich aus den unteren Klassen oder anderen Rennserien hocharbeiten.

Welche Motorräder sind zugelassen?
Die technischen Regeln der MotoGP™ sind streng reguliert und werden jährlich angepasst. Die wichtigsten Eckdaten für die Klasse MotoGP™ (Stand 2024) lauten:

• Motorart: Viertaktmotor
• Hubraum: maximal 1000 cm³ (Ab 2027 maximal 850 ccm)
• Zylinderzahl: maximal 4
• Höchstgeschwindigkeit: über 360 km/h
• Einheitsreifen: Michelin
• Einheitselektronik: Einheitliches Steuergerät (ECU) von Magneti Marelli
• Treibstoff: Bis 2024 noch überwiegend fossiler Kraftstoff, ab 2024 mindestens 40 % nicht-fossil, ab 2027 verpflichtend 100 % nicht-fossil (z. B. E-Fuels)

Die Motorräder sind reine Prototypen und dürfen nicht im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden. Es gibt keine Straßenzulassung, keine ABS-Systeme, keine Assistenzsysteme wie Traktionskontrolle in ihrer Serienform. Alle verbauten Komponenten sind für den Renneinsatz konzipiert.

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