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Ammoniak-Anlage in NEOM – Großprojekt für grünen Wasserstoff

In Saudi-Arabien entsteht derzeit eine groß angelegte Anlage für die Produktion von Wasserstoff und Ammoniak. Der Bau ist weit fortgeschritten, zentrale Komponenten sind installiert und konkrete Produktionsziele definiert. Die Anlage ist vollständig auf Export ausgelegt.

Eine Industrieanlage im fortgeschrittenen Bau

In NEOM in Saudi Arabia wird derzeit eine industrielle Anlage aufgebaut, die sich auf die Produktion von Wasserstoff und dessen Weiterverarbeitung zu Ammoniak konzentriert. Nach Angaben der Projektgesellschaft befindet sich das Projekt in einem fortgeschrittenen Bauzustand. Ein Großteil der Infrastruktur ist damit bereits errichtet oder in einem weit fortgeschrittenen Installationszustand, auch wenn genaue, unabhängig überprüfbare Prozentangaben zum Gesamtfortschritt nicht öffentlich vorliegen.

Gebaut wird nicht nur eine einzelne Anlage, sondern ein zusammenhängendes System. Dazu gehören Windparks und großflächige Solaranlagen zur Stromerzeugung, Elektrolyseure zur Wasserstoffproduktion, Anlagen zur Ammoniaksynthese sowie Speicher- und Verladeinfrastruktur für den Export. Parallel entsteht ein eigenes Stromnetz, das die Energie zwischen den einzelnen Komponenten verteilt.

Viele dieser Elemente befinden sich im Bau oder in der Installation. Turbinen werden installiert, Solarfelder aufgebaut, Elektrolyseure geliefert und montiert. Auch erste Tanks und industrielle Anlagenstrukturen sind sichtbar. Der Fortschritt betrifft damit das gesamte System und nicht nur einzelne Teilbereiche, auch wenn der genaue Fertigstellungsgrad einzelner Komponenten unterschiedlich ist.

Klare Produktionsziele und Größenordnung

Die technischen Eckdaten der Anlage sind klar definiert. Die Energieversorgung basiert auf rund 4 Gigawatt aus Wind- und Solarenergie. Dieser Strom wird vollständig vor Ort genutzt und fließt direkt in die Produktion.

Geplant ist eine tägliche Produktion von etwa 600 Tonnen Wasserstoff. Dieser Wasserstoff wird anschließend weiterverarbeitet. Die Anlage ist auf eine Jahresproduktion von rund 1,2 Millionen Tonnen Ammoniak ausgelegt.

Diese Größenordnung zeigt, dass das Projekt von Anfang an im industriellen Maßstab geplant ist. Es handelt sich nicht um eine Pilotanlage, sondern um eine durchgehend auf kontinuierlichen Betrieb ausgelegte Produktion.

Vom Wasserstoff zum exportierten Produkt

Der erzeugte Wasserstoff wird nicht gespeichert oder direkt genutzt, sondern unmittelbar in Ammoniak umgewandelt. Dafür wird Stickstoff aus der Luft hinzugefügt. Dieser Prozess ist technisch etabliert und wird seit Jahrzehnten in der Industrie eingesetzt.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Nutzung: Während Ammoniak bisher vor allem für Düngemittel verwendet wurde, steht hier der Einsatz als Energieträger im Vordergrund. Ammoniak lässt sich vergleichsweise einfach verflüssigen, lagern und über große Entfernungen transportieren.

Die Anlage ist daher von Anfang an auf Export ausgelegt. Tanks, Verladeanlagen und Hafeninfrastruktur werden parallel aufgebaut. Das produzierte Ammoniak kann weltweit verschifft werden und dort entweder direkt eingesetzt oder wieder in Wasserstoff umgewandelt werden.

Die Rolle der beteiligten Unternehmen

Das Projekt wird von der NEOM Green Hydrogen Company umgesetzt, die eigens für Planung, Bau und späteren Betrieb gegründet wurde.

ACWA Power ist für den Aufbau der Energieinfrastruktur verantwortlich. Das Unternehmen entwickelt und betreibt große Energieprojekte und verfügt über Erfahrung im Ausbau von Wind- und Solarparks.

Air Products übernimmt die industrielle und kommerzielle Seite. Das Unternehmen gehört zu den weltweit größten Anbietern von technischen Gasen und beliefert Industrieunternehmen mit Wasserstoff und anderen Gasen. Im NEOM-Projekt hat Air Products vereinbart, die gesamte Produktion der Anlage abzunehmen und organisiert Transport sowie Vermarktung.

Damit ist bereits festgelegt, wie die produzierten Mengen genutzt werden. Die Anlage produziert nicht auf Vorrat, sondern für konkrete Lieferketten.

Export und Nutzung des Ammoniaks

Das produzierte Ammoniak ist vollständig für den Export vorgesehen. Es kann in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden. Dazu gehört die Nutzung als Rohstoff in der Industrie, etwa für die Düngemittelproduktion. Darüber hinaus wird Ammoniak zunehmend als Energieträger diskutiert, zum Beispiel im Schiffsverkehr oder zur Rückverwandlung in Wasserstoff.

Durch diese Nutzungsmöglichkeiten lässt sich Energie aus Regionen mit günstigen erneuerbaren Bedingungen in andere Teile der Welt transportieren. Das Projekt ist daher klar auf internationale Märkte ausgerichtet.

Zeitplan und nächste Schritte

Die Inbetriebnahme wird derzeit für die Mitte der 2020er Jahre angestrebt, häufig wird ein Zeitraum um 2026 genannt. Der Start erfolgt voraussichtlich schrittweise, da einzelne Anlagenteile nacheinander hochgefahren werden. Bis die volle Produktionskapazität erreicht ist, wird es eine Hochlaufphase geben.

Die nächsten Schritte bestehen darin, die bestehenden Anlagen vollständig zu integrieren und die Prozesse im laufenden Betrieb zu stabilisieren. Danach kann die Produktion schrittweise auf die geplanten Mengen gesteigert werden.

Bildquelle: Sebastian Castelier / Shutterstock.com

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