Deutschland gehört zu den Ländern, in denen synthetische Kraftstoffe derzeit vor allem im Pilot- und Demonstrationsmaßstab entwickelt werden. Mehrere Anlagen sind inzwischen in Betrieb und stellen E-Fuels oder deren zentrale Vorprodukte her. Noch sind die Produktionsmengen begrenzt, doch liefern diese Projekte wichtige Ergebnisse für den weiteren Ausbau von E-Fuels Anlagen.
Werlte: Synthetisches Kerosin als Demonstrationsprojekt
Im niedersächsischen Werlte betreibt die Klimaschutzorganisation atmosfair eine Power-to-Liquid-Anlage zur Herstellung von synthetischem Flugkraftstoff. Die Anlage ist Teil des Projekts ptl2025 und wurde bereits 2021 in Betrieb genommen. Ziel war von Beginn an, den vollständigen Herstellungsprozess von E-Kerosin unter Praxisbedingungen abzubilden.
Im Jahr 2024 meldete atmosfair die Produktion mehrerer Tonnen synthetischen Rohkerosins. Damit konnte erstmals in Deutschland gezeigt werden, dass die gesamte Prozesskette – von erneuerbarem Strom über Wasserstoff und CO₂ bis zum flüssigen Kraftstoff – technisch funktioniert. Die Anlage bleibt auf Demonstrationsgröße ausgelegt, dient aber als Referenz für spätere industrielle Vorhaben.
Frankfurt-Höchst: INERATEC und der Übergang in den industriellen Maßstab
Deutlich näher an einer marktnahen Anwendung ist die Anlage ERA ONE des Unternehmens INERATEC im Industriepark Frankfurt-Höchst. INERATEC ist ein Spin-off aus dem Karlsruher Institut für Technologie und entwickelt modulare Power-to-Liquid-Systeme.
ERA ONE wurde 2025 offiziell eröffnet. Die Anlage ist darauf ausgelegt, mehrere tausend Tonnen synthetischer Kraftstoffe pro Jahr herzustellen, darunter e-Diesel und Vorprodukte für nachhaltigen Flugkraftstoff. Der Standort im Industriepark ermöglicht die Nutzung bestehender Infrastruktur und industrieller Stoffströme. Damit zeigt das Projekt, wie sich E-Fuel-Produktion in etablierte Industrieumgebungen integrieren lässt.
Mannheim: Unterschiedliche Ansätze an einem Standort
In Mannheim bündeln sich mehrere Projekte, die unterschiedliche Aspekte erneuerbarer Kraftstoffe abdecken.
Ein zentrales Vorhaben ist die Anlage des Start-ups ICODOS, die gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie und dem kommunalen Abwasserbetrieb umgesetzt wurde. Hier wird Klärgas aus der Abwasserbehandlung mit grünem Wasserstoff kombiniert, um erneuerbares Methanol herzustellen. Methanol dient sowohl als eigenständiger Energieträger als auch als Ausgangsstoff für weitere synthetische Kraftstoffe.
Daneben wurde am Mannheimer Tanklager eine Pilotanlage aufgebaut, die Kraftstoffkomponenten flexibel mischt. Biogene, fossile und synthetische Anteile können bedarfsgerecht kombiniert und ihre Treibhausgasbilanz digital erfasst werden. Dieses Projekt adressiert weniger die Herstellung einzelner Moleküle, sondern die Frage, wie erneuerbare Kraftstoffe in bestehende Logistik- und Nachweissysteme integriert werden können.
Ergänzend wurde in Mannheim ein Pilotprojekt von CropEnergies durchgeführt, bei dem ein Kraftstoff mit erhöhtem biogenem Anteil im Alltagsbetrieb getestet wurde. Eine Demonstrationsflotte zeigte, dass höhere erneuerbare Anteile im Straßenverkehr technisch nutzbar sind.
Karlsruhe: Forschung als Grundlage für Skalierung
Am Karlsruher Institut für Technologie wird im Rahmen des Kopernikus-Projekts P2X eine integrierte Power-to-Fuel-Anlage betrieben. Dort werden CO₂ und Wasser mithilfe erneuerbaren Stroms in Synthesegas und anschließend in flüssige Kraftstoffe umgewandelt. Die Anlage läuft im Forschungs- und Kampagnenbetrieb und dient vor allem der Analyse von Wirkungsgraden, Prozessstabilität und Systemintegration.
Karlsruhe ist damit kein Produktionsstandort im wirtschaftlichen Sinne, liefert aber zentrale Erkenntnisse für die Auslegung und Optimierung größerer Anlagen.
Duisburg: Synthetisches Methan als Ergänzung
Einen anderen Ansatz verfolgt das Unternehmen Greenlyte in Duisburg. Dort wird synthetisches Methan aus erneuerbarem Strom, Wasser und CO₂ aus der Luft hergestellt. Die Anlage bewegt sich im Pilotmaßstab, zeigt jedoch, wie gasförmige Power-to-X-Kraftstoffe in bestehende Energiesysteme eingebunden werden können.
Was diese Projekte gemeinsam zeigen
Die genannten Anlagen unterscheiden sich deutlich in Größe, Technologie und Zielmarkt. Gemeinsam ist ihnen, dass sie praktische Erfahrungen entlang der Power-to-X-Wertschöpfungskette liefern. Deutschland befindet sich damit nicht im industriellen Hochlauf von E-Fuels, wohl aber in einer Phase, in der technologische Grundlagen, Betriebsdaten und Integrationskonzepte systematisch erarbeitet werden. Diese Projekte bilden die Basis für die nächste Entwicklungsstufe: größere Anlagen, klarere regulatorische Rahmenbedingungen und den Übergang von Pilot- zu Serienproduktion.