Wenn über erneuerbare Kraftstoffe gesprochen wird, taucht ein Name immer wieder auf: Neste. Das finnische Unternehmen war lange ein klassischer Ölraffineriekonzern. Heute gehört es zu den weltweit wichtigsten Produzenten von erneuerbarem Diesel und nachhaltigen Flugkraftstoffen. Dieser Wandel lässt sich an realen Anlagen, Investitionen und Produktionsmengen ablesen.
Vom Ölgeschäft zum erneuerbaren Portfolio
Neste hat sein Geschäftsmodell schrittweise erweitert. Das fossile Raffineriegeschäft wurde nicht beendet, sondern besteht weiter und bildet einen wirtschaftlichen Sockel. Parallel dazu investierte das Unternehmen früh und konsequent in erneuerbare und zirkuläre Produkte.
Der Schwerpunkt liegt auf flüssigen Kraftstoffen, die ohne neue Infrastruktur genutzt werden können. Ein zentrales Produkt ist HVO (Hydrotreated Vegetable Oil), ein erneuerbarer Dieselersatz aus Abfall- und Reststoffen, der fossilen Diesel direkt ersetzen kann. HVO bildet weiterhin den mengenmäßig größten Teil der erneuerbaren Kraftstoffproduktion von Neste.
Daneben hat ein zweites Produkt stark an Bedeutung gewonnen: nachhaltiger Flugkraftstoff.
SAF als strategisches Wachstumsfeld
SAF (Sustainable Aviation Fuel) kann fossiles Kerosin im Luftverkehr teilweise oder vollständig ersetzen. Er wird entweder aus biogenen Reststoffen oder synthetisch mithilfe erneuerbarer Energie hergestellt. Der entscheidende Vorteil liegt in der Kompatibilität mit bestehenden Flugzeugen, Triebwerken und Flughafensystemen.
Für die Luftfahrt, die sich nur begrenzt direkt elektrifizieren lässt, ist SAF inzwischen ein zentraler Baustein zur Emissionsminderung. Der Einsatz von SAF ist in der EU seit dem 1. Januar 2025 verbindlich vorgeschrieben. Damit hat sich SAF von einem freiwilligen Klimaschutzinstrument zu einem festen Bestandteil der Kraftstoffversorgung entwickelt.
Rotterdam als industrielles Zentrum
Eine Schlüsselrolle spielt der Standort Rotterdam. Dort betreibt Neste seit mehreren Jahren eine große Raffinerie für erneuerbare Kraftstoffe. Die Anlage gilt als eine der größten ihrer Art in Europa und ist so ausgelegt, dass sie flexibel unterschiedliche erneuerbare Produkte herstellen kann.
Im Jahr 2025 nahm Neste in Rotterdam die Produktion von nachhaltigem Flugkraftstoff auf. Nach Abschluss der Umbauten ist der Standort in der Lage, bis zu 500.000 Tonnen SAF pro Jahr herzustellen. Damit gehört Rotterdam inzwischen zu den wichtigsten europäischen Produktionsstandorten für diesen Kraftstoff.
Der Ausbau ist noch nicht abgeschlossen. Neste investiert rund 2,5 Milliarden Euro, um die Kapazität des Standorts weiter zu erhöhen. Bis 2027 soll Rotterdam insgesamt rund 2,7 Millionen Tonnen erneuerbare Kraftstoffe pro Jahr produzieren können, davon ein wachsender Anteil SAF.
Marktumfeld und wirtschaftliche Einordnung
Der Ausbau erneuerbarer Kraftstoffe verlief nicht ohne Gegenwind. Die Jahre 2024 und 2025 waren von zunehmendem Wettbewerb, neuen Produktionskapazitäten und einem angespannten Markt für nachhaltige Rohstoffe geprägt. Besonders beim erneuerbaren Diesel führte dies zu spürbarem Margendruck.
Neste reagierte darauf mit Effizienz- und Performanceprogrammen, um Kosten zu senken und die Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Sparte zu stabilisieren. Gleichzeitig hielt das Unternehmen an seinen Investitionen fest. Das fossile Geschäft blieb Teil des Konzerns und trug dazu bei, den weiteren Ausbau der erneuerbaren Produktion abzusichern.
Kapazitäten und Einordnung aus Sicht von 2026
Zum Jahresbeginn 2026 betreibt Neste Anlagen für erneuerbare Kraftstoffe in Finnland (Porvoo), den Niederlanden (Rotterdam), Singapur sowie über Beteiligungen auch in den USA. Zusammengenommen verfügen diese Standorte über eine technische Produktionskapazität von rund 5,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Diese Kapazität umfasst sowohl HVO als auch SAF.
Im Bereich SAF erreicht Neste aktuell eine globale Produktionsfähigkeit von rund 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Ein Teil dieser Kapazität befindet sich noch im Hochlauf. Für das Jahr 2025 hatte das Unternehmen gemeldet, dass die verkauften SAF-Mengen bis zum dritten Quartal bei rund 250.000 Tonnen lagen.
Beim HVO bleibt Neste der volumenstärkste Bereich. Separate Jahresmengen veröffentlicht das Unternehmen hierfür nicht, ordnet den erneuerbaren Diesel aber weiterhin als Hauptprodukt für Straßenverkehr und Flottenanwendungen ein.
Langfristig plant Neste, die gesamte Produktionskapazität für erneuerbare Kraftstoffe bis 2027 auf rund 6,8 Millionen Tonnen pro Jahr auszubauen. Der Anteil von SAF soll dabei auf bis zu 2,2 Millionen Tonnen jährlich steigen.
Der Wandel von Neste zeigt, wie sich ein traditioneller Raffineriekonzern schrittweise neu positioniert. Erneuerbare Kraftstoffe sind heute ein fester Bestandteil des Geschäftsmodells, der im Laufe der Zeit weiter ausgebaut wird.
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